Fragen und Antworten zu Lactose-Intoleranz
Was ist Lactose?
Lactose ist der in der Milch natürlicherweise enthaltene Milchzucker. Dieser Doppelzucker setzt sich aus den beiden Einfachzuckern Glucose (Traubenzucker) und Galactose zusammen. Milchzucker kann aus dem Dünndarm nicht aufgenommen werden und ist für den Körper daher nicht verwertbar. Dagegen sind die Einfachzucker Glucose und Galactose Nährstoffe, die vom Körper leicht aufgenommen und verwertet werden können. Deswegen wird der Milchzucker während der Verdauung von Lactase-Enzymen im Dünndarm aufgespalten.

Was ist Lactasemangel?
Wenn das Enzym Lactase im Körper nicht ausreichend verfügbar ist (Lactasemangel), gelangt der Milchzucker in ungespaltener Form in die unteren Darmabschnitte (Dickdarm) und wird dort durch Darmbakterien unter Gasbildung vergoren. Außerdem kann die Lactose einen vermehrten Wassereinstrom in den Dickdarm verursachen. Dies kann zu Beschwerden, wie z. B. Bauchschmerzen, Blähungen, Völlegefühl oder Durchfall, nach dem Verzehr von Milchprodukten führen und wird dann als Lactose -Unverträglichkeit (Milchzucker-Unverträglichkeit) oder Lactose-Intoleranz (Milchzucker-Intoleranz) bezeichnet. Wegen der Ähnlichkeit der Beschwerden wird Lactose-Intoleranz häufig mit dem Reizdarm-Syndrom (irritables Colon) verwechselt.

Welche Formen des Lactasemangel gibt es?
Es werden drei verschiedene Formen des Lactasemangels unterschieden:
- Der primäre Lactasemangel
- Der sekundäre Lactasemangel
- Der angeborene Lactasemangel
Die Menge an Lactase im Dünndarm ist bei Babys während der Stillperiode am höchsten und nimmt dann bei den meisten Menschen genetisch bedingt kontinuierlich ab. Der sich dann ergebende sogenannte primäre Lactasemangel ist also das Resultat eines normalen Alterungsprozesses und bei der überwiegenden Mehrheit (70% - 90%) der erwachsenen Weltbevölkerung zu beobachten. So vertragen beispielsweise fast alle Bevölkerungsgruppen Afrikas und Asiens keinen Milchzucker. Aber auch in Deutschland haben ca. 15% der Erwachsenen einen primären Lactasemangel.
Verschiedene Darmerkrankungen können zu einem sogenannten sekundären Lactasemangel führen, so z.B. Morbus Crohn, Colitis ulcerosa und sonstige Darmentzündungen (z.B. aufgrund von viralen oder bakteriellen Darminfektionen). Der sekundäre Lactasemangel bildet sich nach der Ausheilung der ihn verursachenden Darmerkrankung üblicherweise wieder zurück.
Beim sehr selten vorkommenden angeborenen Lactasemangel fehlt den Neugeborenen das für die Lactaseproduktion verantwortliche Gen. Dies führt zu einer Unfähigkeit des Organismus das Enzym überhaupt zu bilden. Bei diesen Säuglingen muss eine strikt lactosefreie Ernährung eingehalten werden.
Wie kann man einen Lactasemangel feststellen?
Viele Menschen mit Lactasemangel merken selbst, dass Sie oder Ihre Kinder ab einem bestimmten Alter Milch und Milchprodukte nicht mehr gut vertragen. Wem die reine Beobachtung, dass die problemlos verzehrbare Menge an Milch und Milchprodukten gegenüber jüngeren Jahren gesunken ist nicht ausreicht, der kann einen Lactasemangel auf drei verschiedene Arten feststellen lassen:
- Durch einen Lactosebelastungstest mit anschließender Messung der Blutzuckerwerte
- Durch einen Lactosebelastungstest mit anschließenden Messung der Waserstoffkonzentration in der ausgeatmeteten Luft (H2-Atemtest)
- Durch einen Gentest
Der Lactosebelastungstest (Alternativen eins und zwei) wird in der Regel durch Fachärzte für innere Medizin und durch Fachärzte für Gastroenterologie durchgeführt und die Kosten werden von den Krankenkassen übernommen. Man bekommt auf nüchternen Magen eine bestimmte Menge in Wasser gelöster Lactose zu trinken (25 - 50g) und danach wird in regelmäßigen Abständen entweder eine Blutprobe oder eine Atemprobe (beim H2-Atemtest) abgenommen.
Weil bei Menschen mit Lactasemangel die Lactose nicht oder zumindest nur teilweise in Glucose und Galactose aufgespalten wird, kann keine oder nur wenig Glucose im Dünndarm resorbiert und an das Blut abgegeben werden. Der Verzehr einer Lactosetestmahlzeit führt daher bei Menschen mit Lactasemangel nur zu einem geringen oder keinem Anstieg des Blutzucker(Glucose-)wertes, während bei Menschen, die keinen Lactasemangel haben, der Blutzuckerwert stärker ansteigen wird. So lässt sich anhand des Verlaufs des Blutzuckerwertes feststellen, ob ein Lactasemangel vorliegt
Gelangt die nicht resorbierbare Lactose in die unteren Darmabschnitte, wird sie dort durch die Dickdarmbakterien unter Bildung von unter anderem Wasserstoff (H2) abgebaut. Der Wasserstoff wird über die Darmwand resorbiert und gelangt über den Blutkreislauf in die Lunge, von wo aus er ausgeatmet wird. Anhand des Wasserstoffgehalts der ausgeatmeten Luft lässt sich also nachweisen, ob Lactose, die wegen eines Lactasemangels im Dünndarm nicht gespalten wurde, im Dickdarm ankommt. Bei Vorliegen eines Lactasemangel wird der Wasserstoffgehalt der ausgeatmeten Luft nach dem Verzehr einer Lactosetestmahlzeit ansteigen während er bei Menschen die keinen Lactasemangel haben nicht ansteigen wird.
Der Gentest stellt eine neue Testmethode dar, wird von den Krankenkassen nicht bezahlt und kostet ca. 70,– €. Der Arzt muss lediglich einen Abstrich von der Wangenschleimhaut an ein für diese Untersuchung spezialisiertes und zertifiziertes Labor schicken.
Der Gentest liefert eine Aussage darüber, ob man irgendwann im Laufe seines Lebens einen primären Lactasemangel entwickelt. Auch ein positives Testergebnis bedeutet daher nicht, dass bereits ein primärer Lactasemangel vorliegt. Dies kann man nur durch den oben beschriebenen Lactosebelastungstest (Alternativen eins und zwei) feststellen.
laut IMS Healthcare GmbH & Co. OHG, Frankfurt am Main
